Gentleman über Bord - von Herbert Clyde Lewis
Genre: Literarische Fiktion | Psychologischer Roman
"Mit Gentleman über Board hat der mareverlag einen literarischen Schatz gehoben." Süddeutsche Zeitung

Worum es wirklich geht
Henry Standish hat eigentlich alles. Erfolgreicher Börsenmakler, Frau, Kinder, New York. Von außen: perfekt. Von innen: leer. Er reist, entflieht, distanziert sich – und landet schließlich auf dem Schiff Arabella irgendwo zwischen Honolulu und Panama. Früh am Morgen, ein Ölfleck auf Deck, ein Ausrutschen – und er ist im Wasser.
Das Schiff fährt weiter. Niemand merkt es.
Und genau da fängt das Buch erst richtig an.
Die zentralen Gedanken
Was passiert, wenn man stundenlang im Ozean treibt und wartet – auf Rettung, auf Einsicht, auf irgendetwas?
Standish durchlebt alles. Zuerst die Überraschung. Dann die Überzeugung, dass das Schiff schon umkehren wird. Dann die langsam wachsende Angst, dass vielleicht – nur vielleicht – niemand kommt. Er denkt an Arbeit, an Geld, an Erfolg. An Gewohnheiten. An Oberflächlichkeit. An sein Leben, das er bis jetzt irgendwie einfach so gelebt hat.
Nach ein paar Stunden kommt die Akzeptanz. Und mit der Akzeptanz etwas, das fast wie innerer Frieden wirkt. Er stellt sich sogar vor, wie er nach der Rettung in Shows auftreten wird und von seinem Mut erzählt.
Das ist das Geniale an diesem Buch: Es stellt keine großen Fragen laut und explizit. Es lässt einen einfach dabei sitzen und selbst nachdenken. Wenn ich in dieser Situation wäre – was würde mir in den Kopf kommen? Welche Menschen? Was würde ich anders machen?
Das Buch ist still. Fast philosophisch. Und genau das macht es so wirkungsvoll.
Für wen sich das Buch NICHT lohnt
Wer Action, Spannung oder schnelle Wendungen sucht, wird hier nicht glücklich. Das Buch ist ruhig, fast meditativ – und wer mit introspektiven, langsamen Geschichten nichts anfangen kann, wird schnell die Geduld verlieren.
Alle anderen: kurze Lektüre, lange Nachwirkung.